Großhändler blicken weniger pessimistisch nach vorn

Der BGA-Großhandelsklimaindikator klettert zur Jahresmitte 2026 um 14,2 auf 84,8 Punkte. Von einem Aufschwung kann der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. (BGA) dennoch nicht sprechen.
Die Stimmung im deutschen Großhandel hat sich im Sommer 2026 aufgehellt. Nach dem Einbruch zum Jahreswechsel 2025/26 sind die Unternehmen weniger pessimistisch. Das ist das zentrale Ergebnis der Konjunkturumfrage des BGA und seiner Mitgliedsverbände. Ein Wert von 84,8 Punkten bleibt allerdings deutlich unter der 100er-Marke, ab der von einer positiven Bewertung die Rede ist.
Die Lage wird besser bewertet als die Zukunft
Treiber der Aufhellung ist vor allem die aktuelle Geschäftslage. Ihre Bewertung steigt um 19,3 auf 86,5 Punkte und liegt damit erstmals wieder über dem Niveau vom zweiten Halbjahr 2023. Die Erwartungen ziehen mit 9,3 Punkten auf 83,2 Punkte spürbar schwächer an. Auftragseingänge und Kapazitätsauslastung haben sich so stark verbessert wie seit 2021 nicht mehr, liegen aber weiterhin im negativen Bereich.
Drei Zweige, drei Geschwindigkeiten
Am kräftigsten erholt sich der Produktionsverbindungshandel, also der Großhandel mit Waren für Industrie und Produktion. Sein Indikator springt um 20,1 auf 88,7 Punkte, den höchsten Wert seit Anfang 2023. Der baunahe Großhandel legt um 10,3 auf 74,9 Punkte zu, getragen von 15,1 Prozent mehr Baugenehmigungen im ersten Halbjahr. Hohe Baukosten und Zinsen bremsen hier weiter.
Für den Einzelhandel besonders relevant ist der Konsumgütergroßhandel, der direkte Vorlieferant vieler Geschäfte. Er kommt nur um 6,6 auf ebenfalls 74,9 Punkte voran. Hier schätzen die Unternehmen ihre Zukunft sogar schlechter ein als die aktuelle Lage. Real fielen die Umsätze im ersten Halbjahr um 0,6 Prozent. Einkommensunsicherheit, steigende Arbeitslosigkeit und teure Lebenshaltung halten die Verbraucher zurück.
Umsätze steigen vor allem auf dem Papier
Im gesamten Großhandel wuchsen die Umsätze im ersten Halbjahr nominal um 4,9 Prozent, real aber nur um 1,0 Prozent. Die Differenz erklären die Preise: Seit der Eskalation im Nahen Osten im Frühjahr ziehen sie auf allen Vorstufen an. Im Juli lagen die Großhandelspreise 5,3 Prozent über Vorjahr, bei Mineralölerzeugnissen sogar 24,1 Prozent. Für 2026 rechnet der BGA mit einem Umsatz von rund 1.558 Milliarden Euro, real bleibt das Niveau unter dem von 2022. Beim Wirtschaftswachstum bleibt der Verband mit 0,8 Prozent zurückhaltender als die führenden Institute.
Auch am Arbeitsmarkt zeigt sich die Schwäche. 34 Prozent der Großhändler planen Personalabbau, nur 19 Prozent wollen einstellen. Neue Auszubildende suchen lediglich 39 Prozent der Betriebe.
Reformen greifen den Unternehmen zu kurz
Die Reformpakete der Bundesregierung unterstützen die Großhändler grundsätzlich, 64 Prozent halten sie jedoch für unzureichend. 78 Prozent spüren bislang keine Entlastung bei Bürokratie und Genehmigungsverfahren. Als größte Belastungen nennen die Betriebe Bürokratie (82 Prozent), Arbeitskosten (61 Prozent) und EU-Regulierung (49 Prozent). Bei der geplanten Einkommensteuerreform fühlen sich 87 Prozent der Personenunternehmen ungerecht behandelt.
Das bedeutet es für Einzelhändler in RLP und im Saarland
43 Prozent der Großhändler rechnen im zweiten Halbjahr mit steigenden Verkaufspreisen, nur 12 Prozent mit fallenden. Für Händler im Verbandsgebiet heißt das:
- Preiserhöhungen der Lieferanten für das Weihnachtsgeschäft einkalkulieren
- Konditionen und Liefertermine frühzeitig absprechen
- Sortimente mit hohem Energie- oder Rohstoffanteil gezielt beobachten
Die leichte Erholung ist ein gutes Signal, trägt aber noch nicht. Solange der Konsum schwächelt, bleibt auch der Einzelhandel unter Druck. Umso wichtiger sind die Entlastungen bei Kosten und Bürokratie, die Groß- und Einzelhandel gleichermaßen von der Politik einfordern.
Die detaillierten Ergebnisse der Konjunkturumfrage sind in den „Trends & Analysen Großhandel 2/2026“ nachzulesen, abrufbar hier.
(Quelle: Trends & Analysen Großhandel 2/2026, Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. (BGA)/hv/ks; Bild: © Wolfilser – stock.adobe.com)







