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Konjunkturbarometer Großhandel Mai 2026: Umsätze steigen, doch der Krisenmodus bleibt

Veröffentlicht am: 3. Juni 2026|Kategorien: Top News|

Unternehmen haben Bestellungen vorgezogen, weil sie Lieferengpässe fürchteten. Die Umsatzzahlen sehen dadurch besser aus, als die Lage tatsächlich ist. Die Folgen des Irankriegs kommen erst allmählich an.

Der Großhandel in Deutschland hat im März 2026 nominal um 8,6 Prozent und real um 5,1 Prozent zugelegt. Nominal bedeutet: gemessen in aktuellen Preisen. Real bedeutet: nach Abzug der Inflation, also der tatsächliche Mengenzuwachs. Letzterer fällt deutlich geringer aus. Über das gesamte erste Quartal 2026 liegt das nominale Umsatzplus bei nur 2,8 Prozent, real sogar bei mageren 0,8 Prozent. Das zeigt das aktuelle Konjunkturbarometer Großhandel des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. (BGA).

Bestellungen auf Vorrat überdecken schwache Grundlage

Der starke März-Anstieg ist kein Zeichen einer echten Trendwende. Viele Unternehmen haben Bestellungen vorgezogen, weil sie Lieferengpässe und steigende Transportkosten infolge des Irankriegs fürchteten. Diese Sondereffekte lassen sich nicht wiederholen.

Besonders deutlich zeigt sich das im sogenannten Produktionsverbindungshandel, also dem Großhandel mit Waren, die direkt in die Produktion fließen, etwa Maschinen, IT-Geräte oder Rohstoffe. Hier stieg der Umsatz im März nominal um 11,8 Prozent, real um 5,3 Prozent. Über das gesamte erste Quartal liegt der reale Zuwachs aber nur bei 1,8 Prozent.

Konsumgütergroßhandel unter Druck

Im Konsumgütergroßhandel, dem direkten Vorlieferanten vieler Einzelhändler, fiel die Entwicklung schwächer aus. Im März stiegen die Umsätze nominal um 5,6 Prozent und real um 5,0 Prozent. Über das gesamte erste Quartal ergibt sich nominal nur ein Plus von 0,4 Prozent, real sogar ein Minus von 0,4 Prozent. Steigende Verbraucherpreise und gedämpfte Kauflaune bremsen die Nachfrage. Das spüren Großhändler in Rheinland-Pfalz und im Saarland direkt in ihren Auftragsbüchern.

Energiekosten und Transportkosten belasten massiv

Eine BGA-Umfrage vom April 2026 macht das Ausmaß deutlich: 90 Prozent der Großhändler kämpfen mit steigenden Transport- und Versicherungskosten, fast 80 Prozent sind von steigenden Energiepreisen betroffen. Die Unternehmen geben diese Kosten weiter. Großhandelspreise stiegen im März um 4,1 Prozent und im April bereits um 6,3 Prozent im Jahresvergleich. Für Einzelhändler bedeutet das: höhere Einkaufspreise, engere Margen.

Insolvenzen auf Höchststand

Die Lage in den Unternehmen wird schwieriger. Die Zahl der Insolvenzen im Großhandel hat den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht. In den vergangenen zwölf Monaten sind 25.000 Arbeitsplätze weggefallen. Gleichzeitig sinkt die Ausbildungsbereitschaft: 45 Prozent der befragten Unternehmen wollen keine weiteren Auszubildenden einstellen. Das verschärft den Fachkräftemangel langfristig.

Was das für Einzelhändler in RLP und im Saarland bedeutet

Der Großhandel ist ein Frühindikator für die gesamte Handelskette. Was dort passiert, wirkt sich direkt auf Warenverfügbarkeit, Preise und Konditionen aus. Konkret sollten Einzelhändler jetzt:

  • Lieferantengespräche proaktiv suchen und Konditionen neu verhandeln
  • Alternative Bezugsquellen aufbauen, um Lieferausfälle abzufedern
  • Eigene Lagerbestände überprüfen und bei kritischen Warengruppen vorsorgen
  • Digitale Bestell- und Warenwirtschaftsprozesse optimieren, um Kosten zu senken

Forderungen an die Politik

Der BGA fordert strukturelle Reformen am Standort Deutschland: Bürokratieabbau, Entlastung bei Energie- und Produktionskosten sowie wirtschaftspolitische Maßnahmen, die Unternehmen echten Handlungsspielraum verschaffen. Ohne diese Weichenstellungen dürfte sich die Lage im Großhandel kaum entspannen.

Weitere Informationen finden Sie unter bga.de.

(Quelle: Konjunkturbarometer Großhandel Mai 2026, Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. – BGA/hv/ks; Bild: AdobeStock_113990554)

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